Frauen helfen Frauen Filder e.V. Trotzdem gilt es für jeden Einzelfall einen gangbaren und realisierbaren Weg zu finden. Bei Tätern wurden zunehmend Mehrfach- problematiken wie Alkohol- und Drogenkon- sum sowie psychische Erkrankungen beo- bachtet, was standardisierte Interventionsketten erschwert. ebenso sind Psychische Gewalt bleibt ein zentrales Thema in der Beratungspraxis. Sie ist schwer nachzu- weisen und daher oft nicht ausreichend Grundlage für strafrechtliche oder polizeili- che Interventionen, wirkt sich jedoch gravie- rend auf die Betroffenen aus. Typische Er- scheinungsformen neben Beschimpfungen, Abwertungen, Drohungen, überzogener Eifersucht, Manipulation, dem Verdrehen der eigenen Wahrnehmung (Gas- lighting), narzisstischem Verhalten, emotio- naler Erpressung und systematischer Isola- tion auch das Vorenthalten von Geldmitteln oder das Verbot an der Teilnahme von Deutschkursen, das Ausüben einer Arbeitstä- tigkeit oder der Beginn einer Berufsausbil- dung. Diese Strategien können dazu führen, dass Frauen* zunehmend an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln, keinen Ausweg se- hen und in der Gewaltspirale verbleiben. Für Mütter ist die Auseinandersetzung um die ge- meinsamen Kinder und das Hineinziehen die- ser in die Konflikte nach einer Trennung oft eine große Herausforderung. Wir hören häu- fig von der hohen sozialen Anpassungsfähig- keit und Selbstdarstellungskompetenz vieler Täter, was die Wahrnehmung durch das sozi- ale Umfeld und beteiligter Stellen beeinflusst. 16 Hier erleben wir immer wieder eine große Ohnmacht der Frauen* und schlichtweg die Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird. Ein Umgangsrecht für den Vater, der Gewalt „nur“ gegen die Mutter ausübt, hat einen ho- hen rechtlichen Stellenwert. Die Wirkung der psychischen Gewalt auf das gesamte Famili- ensystem erscheint hier noch viel zu wenig im Blick. Die monatliche Stärkungsgruppe wurde auch im Jahr 2025 erfolgreich fortgeführt und hat sich als wertvolle Ergänzung zur Einzelbera- tung und Krisenintervention etabliert. The- matische Schwerpunkte waren die Erarbei- tung persönlicher Ressourcen, die Stärkung des Selbstwertgefühls, das Erkennen und For- mulieren eigener Bedürfnisse sowie das Einü- ben von Grenzsetzung und die Förderung in- dividueller Resilienzfaktoren. Die offene Struktur der Gruppe erlaubt einen jederzeiti- gen Einstieg, wodurch Klientinnen zeitnah aus laufenden Beratungskontakten teilneh- men können. Die häufig wechselnde Zusam- mensetzung der Gruppe ist für den Verlauf und die Dynamik nicht hinderlich. Die Außensprechstunde in Ostfildern wurde ab diesem Jahr an einem neuen Wochentag angeboten, sie kann wöchentlich nach vorhe- riger Anmeldung erfolgen. Zusammenfassend stand das Jahr 2025 im Zeichen von Wachstum, Professionalisierung und neuen Herausforderungen. Die perso- nelle Aufstockung und der Kompetenzzu- wachs im Bereich digitale Gewalt und Präven- tionsarbeit bilden eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung der Arbeit. Gleichzei- tig zeigen sich gesellschaftliche Veränderun- gen und neue Zielgruppen, die künftig noch stärker berücksichtigt werden müssen. Das Ziel bleibt, Betroffene individuell zu stärken, Strukturen zu verbessern und nachhaltige Wege aus der Gewalt zu eröffnen.