Frauen helfen Frauen Filder e.V.

Kennen Sie das?

 

Er kontrolliert, wohin Sie gehen

Er ist krankhaft eifersüchtig

Er beleidigt Sie

Er unterbindet den Kontakt zu Familie oder Freunden

Er brüllt Sie an

Er droht Ihnen

Er macht Ihnen Angst

Er schlägt Sie

Er zwingt Sie zu sexuellen Handlungen, die Sie nicht möchten

Er vergewaltigt Sie

Er macht alles schlecht, was Sie tun

Er zeigt Reue und macht Ihnen Geschenke

Er verspricht, sich zu ändern

Er gibt Ihnen die Schuld für sein Handeln

 

 

Sie haben Mitleid mit ihm

Sie geben die Hoffnung nicht auf

Sie denken, Sie haben ihn provoziert

Sie denken, Sie müssen sich nur mehr anstrengen

Sie glauben, dass Sie zu empfindlich sind

Sie schämen sich

Sie denken, dass es an Ihnen liegt, dass er Sie so behandelt

Sie haben Angst

Sie haben das Gefühl, verrückt zu werden

Sie wollen den Kindern die Familie erhalten

Sie wissen nicht, wie Sie alleine mit allem zurecht kommen sollen

Jede Frau hat das Recht auf ein Leben in Würde!


Gewalt gegen Frauen zeigt sich auf verschiedene Weise und ist oft ein schleichender Prozess!

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit.

Lange Zeit war das Thema tabuisiert. Und auch heute noch fühlen sich viele betroffenene Frauen hilflos. Scham und Angst vor Gerede oder weiteren Übergriffen hemmen sie, ihre Rechte einzufordern und sich Hilfe zu suchen. Den meisten Betroffenen fällt es auch schwer, überhaupt jemals mit einer Vertrauensperson über die erlebte Gewalt zu sprechen.


Die Frauenbewegung in den 70er-Jahren begann damit, die vielen Formen von Gewalt gegen Frauen öffentlich zu machen: Sexuelle Belästigung, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung, körperliche Misshandlung, Beleidigung und Bedrohung, soziale Kontrolle und Ausnutzen ökonomischer Abhängigkeit, beharrliches Nachstellen und Belauern z. B. nach einer Trennung.


Die erste bundesdeutsche Repräsentativuntersuchung zu Gewalt gegen Frauen von 2004 belegt:

Rund 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Fast jede siebte Frau gab an, seit dem 16. Lebensjahr Formen von sexueller Gewalt erlebt zu haben, die sich auf strafrechtlich relevante Formen sexueller Nötigung unter Anwendung von körperlichem Zwang oder Drohungen bezogen.

42% der befragten Frauen gaben an, Formen von psychischer Gewalt erlebt zu haben, die von Eingeschüchtert-Werden oder aggressivem Anschreien über Verleumdungen, Drohungen und Demütigungen bis hin zu Psychoterror reichten.

Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen

Die Studie „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehung“ bietet neue Erkenntnisse. Gewalt gegen Frauen ist demnach kein Problem sozialer Brennpunkte, sondern findet in allen gesellschaftlichen Schichten statt. Die Studie beinhaltet genauere Aussagen über das Ausmaß unterschiedlicher Schweregrade und den Kontext von Gewalt gegen Frauen. Untersucht wurde außerdem, welche Faktoren das Risiko von Gewalt gegen Frauen erhöhen oder vermindern und welche Konsequenzen dies für die Unterstützung gewaltbetroffener Frauen hat.

 

Rund 20.000 Frauen suchen in Deutschland jährlich Zuflucht in einem Frauenhaus.

Sie haben viele Formen häuslicher Gewalt erlitten: Sie wurden ins Gesicht und auf den Körper geschlagen, mit Fäusten verprügelt, mit Händen gewürgt und mit Waffen bedroht. Sie wurden zum Geschlechtsverkehr gezwungen und gequält. Die körperliche Gewalt ging einher mit vielen Formen psychischer Gewalt. Sie wurden beleidigt, schikaniert und auf Schritt und Tritt kontrolliert, sie wurden als Schlampe und Hure beschimpft und gedemütigt. Ihre körperliche und seelische Integrität wurde verletzt.


Gewalt gegen Frauen ist immer auch Gewalt gegen deren Kinder

Die Studie zur Untersuchung von Gewalt gegen Frauen hat jedoch nicht nur repräsentative Ergebnisse zu Gewalt gegen Frauen in
Partnerschaften vorgelegt, sondern auch das Eingebundensein von Mädchen und Jungen – teilweise von Beginn ihres Lebens an – in das
Gewaltgeschehen sichtbar gemacht.

 



„Teddy“  von Alexandros Keroglou aus der Ausstellung „Unfassbar – Häusliche Gewalt einmal ganz öffentlich“

In welchen Formen sind Kinder von häuslicher Gewalt betroffen?

Zeugung durch Vergewaltigung, Misshandlung im Mutterleib, miterlebte Gewalt durch beobachten, mithören, einmischen oder als „Schutzschild“ benutzt zu werden, eigenes geschlagen werden, instrumentalisiert werden in Trennungskonflikten, verletzt oder bedroht werden als Strafe für die Mutter, drohende oder reale Misshandlung von Haustieren, entführt werden von einem Elternteil, getötet werden (erweiterter Suizid).

 

Welche Gefühle entstehen bei Kindern durch das Erleben häuslicher Gewalt?

ANGST „Es hat in meinem Bauch gezittert, wenn der Papa nach Hause kam und ich an seinem Gesicht schon sehen konnte, ob heute wieder
ein schlimmer Abend werden würde“
OHNMACHT „Ich wollte der Mama helfen, aber ich war „wie eingefroren, ich konnte keinen Schritt machen und der Mund ging auch nicht auf“
ENTSETZEN „Er hat auf die Mama eingetreten und obwohl sie geweint hat und immer gesagt hat, er soll aufhören, hat er weiter gemacht und über sie
gelacht...“
AMBIVALENZ „Der Papa hat mit mir viele schöne Sachen gemacht und ich will nicht dass er auszieht, aber er soll auch nicht so gemein zur Mama sein...“
SCHULDGEFÜHL „Ich dachte immer, ich muss lieber sein, mich mehr anstrengen...der Papa hat die Mama angeschrien, warum sie mich nicht im Griff habe...“

 

Welche Folgen hat das Erleben häuslicher Gewalt für die Kinder?

WAHRNEHMUNGSUNSICHERHEIT, „Der Papa sagt, dass die Mama einen kranken Kopf hätte und er sich gut um uns alle kümmern würde“

ISOLATION „Ich habe nie jemanden mit nach Hause gebracht, weil ich nicht wusste, was heute wieder passiert“

VERSTRICKUNG “Wir Männer müssen doch zusammen halten, hat der Papa immer zu mir gesagt“
ÜBERNAHME VON ERWACHSENER, SCHÜTZENDER, SORGENDER ROLLE „Ich wollte nicht mehr in die Schule gehen, wenn ich wusste,
dass die Mama dann mit dem Papa alleine zuhause war - ich musste auf sie aufpassen“

Welche möglichen Reaktionen zeigen sich bei betroffenen Kindern?

  • Aggression
  • Rückzug/Depression
  • Regression
  • Versuch der Rettung
  • Traumatisierungssymptome: Hypervigilanz (ständige Übererregung), Flashbacks, Albträume, Dissoziation, Gefühlsabstumpfung, Täuschung
  • Schutzsuche

 

Es zeigt sich im Überblick, dass Kinder in vielschichtiger Weise von der Beziehungsgewalt in ihrer Familie betroffen sind. Neben den (mit)erlebten Gewalthandlungen oder Bedrohungen leben sie in einem Umfeld von unzureichendem Schutz und Ohnmacht, von eingeschränkter elterlicher Handlungsfähigkeit und brauchen unbedingt besondere Beachtung und Unterstützung!